Raspberry Pi: Resilio Sync installieren und einrichten

Resilio Sync ist eine Software-Lösung, die den Aufbau einer eigenen Cloud-Infrastruktur ermöglicht. Bei Resilio Sync gibt es keinen zentralen Server und viele Clienten sondern aus den Clienten wird über ein Peer-tp-Peer-Netz eine private Cloud-Lösung aufgebaut. Hierfür setzt Resilio auf das BitTorrent-Protokoll. Dieser Anleitung erklärt Schritt für Schritt wie sich Resilio Sync auf dem Raspberry Pi installieren und einrichten lässt.

Resilio Sync hieß ursprünglich BitTorrent Sync und wurde aus dem BitTorrent Unternehmen ausgegliedert um die Entwicklung für den Business-Bereich weiter vorantreiben zu können. Resilio Sync steht für fast alle Betriebssysteme zur Verfügung und lässt sich unter anderem unter OS X, Windows und Linux installieren sowie auch auf mobilen Endgeräten wie iOS, Android, Windows Phone oder Fire OS von Amazon. Zusätzlich stehen Plugins für viele NAS-Systeme zur Verfügung.

Resilio Sync auf dem Raspberry Pi installieren
Resilio Sync auf dem Raspberry Pi installieren (Bild: Resilio Blog).

Raspberry Pi: Resilio Sync installieren und einrichten

Resilio Sync gibt es in unterschiedlichen Versionen. Für Privatpersonen steht eine kostenlose Free-Version sowie eine kostenpflichtige Pro-Version zur Verfügung. Letztere kostet einmalig 34,99 Euro. Zusätzlich erhält jeder Kunde kostenlos eine 30 Tage Testversion von Resilio Sync Pro um die zusätzlichen Funktionen testen zu können.

Vergleich von Resilio Sync - Free und Pro Version
Vergleich von Resilio Sync – Free und Pro Version (Bild: Resilio.com).

Ein Vergleich zwischen Owncloud, Seafile und Resilio Sync zeigt die wesentlichen Unterschiede der drei Cloud-Lösungen. Im Unterschied zu Seafile und Owncloud lässt sich Resilio Sync am einfachsten auf dem Raspberry Pi installieren. Das Peer-to-Peer System von Resilio Sync ermöglicht die Synchronisation zwischen allen Geräten. Fällt ein Gerät aus, sind die Daten auf allen anderen Geräten weiterhin vorrätig. Wer jedoch große Datenmengen über Resilio Sync speichern möchte, sollte einen (oder mehrere) zentrale Server aufsetzen und auf den mobilen Geräten beispielsweise einzelne Dateien selektiv vorrätig halten.

Voraussetzung für die Installation von Resilio Sync auf dem Raspberry Pi ist eine lauffähige Linux-Distribution wie Raspbian. Wie das funktioniert, erklären die Anleitungen Raspberry Pi 3 unter OS X einrichten sowie Raspberry Pi 3 unter Windows einrichten. Für diese Anleitung muss der Raspberry Pi nicht zwingend an einem Monitor angeschlossen sein. Die Installation kann aus der Ferne per SSH-Verbindung vorgenommen werden. Wie sich eine SSH-Verbindung mit dem Raspberry Pi aufbauen lässt, erklärt die verlinkte Anleitung.

Schritt 1: Betriebssystem updaten

Vor der Installation von Resilio Sync auf dem Raspberry Pi wird sichergestellt, dass alle Pakete des Betriebssystems auf dem aktuellen Stand sind. Das erfolgt mit folgendem Befehl über den Terminal:

sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade

Schritt 2: Externe Festplatte einbinden

Der Raspberry Pi speichert alle Daten auf der microSD-Karte für das Betriebssystem. Wird mehr Speicherplatz benötigt, muss dazu ein USB-Stick oder eine externe Festplatte angeschlossen und diese eingebunden werden. Die Anleitung zum Einbinden von externen Festplatten und USB-Sticks für den Raspberry Pi erklärt die notwendigen Schritte.

Schritt 3: Download Resilio Sync

Die aktuelle Version von Resilio Sync findet sich auf den Servern von Resilio und ist zur Zeit in der Version 2.3.8. Nach dem Download legen wir noch einen Ordner mit dem Namen rsync an und verschieben die Dateien in den Ordner /etc/rsync. Diesem Ordner werden abschließend noch die benötigten Rechte zugewiesen. Die aktuellen Links finden sich auf der Downloadseite. Dort wird die ARM-Version benötigt.

Obwohl BitTorrent Sync in Resilio Sync umbenannt wurde, lauten die Namen der Download-Dateien noch auf den alten Namen:

wget https://download-cdn.resilio.com/stable/linux-arm/resilio-sync_arm.tar.gz
tar -zxf resilio-sync_arm.tar.gz
sudo mkdir /etc/rsync
sudo mv btsync /etc/rsync
rm resilio-sync_arm.tar.gz
cd /etc
sudo chown root:root rslsync
sudo chmod 755 rslsync

Schritt 4: Resilio Sync starten

Resilio Sync ist jetzt bereit für den Start:

sudo ./btsync --webui.listen 0.0.0.0:8888

Das Bild unten enthält noch die Umsetzung unter BitTorrent Sync. Die Links und Beschreibung wurde zwischenzeitlich für Resilio Sync angepasst.

Resilio Sync auf dem Raspberry Pi starten
Resilio Sync auf dem Raspberry Pi starten (Bild: Screenshot).

Schritt 5: Resilio Sync einrichten

Resilio Sync läuft jetzt auf dem Raspberry Pi 3. Das Webinterface lässt sich von einem beliebigen Browser im Netzwerk aufrufen und einrichten. Über die IP-Adresse des Raspberry Pis ist Resilio Sync erreichbar. Dazu folgendes in die Browserbar eintippen:

http://IP:8888/

Wobei IP durch die IP-Adresse des Raspberry Pis zu ersetzen ist. In meinem Beispiel ist das 192.168.0.165 und würde dann so aussehen:

http://192.168.0.165:8888/

Sollte die URL nicht sofort laden, versucht es mit folgendem Link:

http://192.168.0.165:8888/gui/

Während dem Einrichten sind über die Weboberfläche die Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen zu akzeptiert. Danach wird ein Benutzer angelegt. Dieser Benutzer dient nur für das Gerät und ist von der Sync-Identität getrennt. Fertig. Jetzt ist Resilio Sync auf dem Raspberry Pi installiert.

Resilio Sync für den Raspberry Pi einrichten

Die grundlegende Einrichtung von Resilio Sync auf dem Raspberry Pi ist beendet. Da die Daten aus Resilio Sync nicht auf der internen Speicherkarte sondern auf der unter Schritt 2 eingebundenen USB-Festplatte gespeichert werden sollen, ist nachfolgend ein neuer Ordner anzulegen.

Schritt 6: Speicherort festlegen

Der zu synchronisierende Ordner wird jetzt auf dem externen USB-Speicher angelegt. Beachtet dabei die Besonderheiten eurer Festplatte aus Schritt 2. Mit folgendem Befehl wird ein Verzeichnis angelegt:

cd /media/usbdrive

sudo mkdir sync

Im Beispiel heißt der Ordner auf der USB-Festplatte sync. Der Name lässt sich beliebig wählen. Über die Weboberfläche von Resilio ist der Speicherordner auszuwählen.

Resilio Sync Speicherort ändern
Den Speicherort von Resilio Sync auf dem Raspberry Pi ändern (Bild: Screenshot).

Schritt 7: Autostart Resilio Sync

Damit Resilio Sync bei jedem Start des Raspberry Pis auch automatisch startet, muss ein Startscript angelegt werden. Das erfolgt mit diesem Befehl:

sudo nano /etc/init.d/rslsync

Im Startscript sind folgende Werte einzutragen.

#!/bin/sh
# /etc/init.d/rslsync
#

case "$1" in
start)
/etc/rsync/rslsync --webui.listen 0.0.0.0:8888
;;
stop)
killall rslsync
;;
*)
echo "Usage: /etc/init.d/rslsync {start|stop}"
exit 1
;;
esac

exit 0

Im Editor nano wird über STRG + X, Y und Enter gespeichert.

Schritt 8: Rechte für das Startscript

Das Startscript für Resilio Sync benötigt noch die notwendigen Rechte und ist in den Autostart zu legen. Dazu sind folgende Zeilen in den Terminal einzugeben:

sudo chmod 755 /etc/init.d/rslsync
sudo update-rc.d rslsync defaults

Die Einrichtung von Resilio Sync auf dem Raspberry Pi ist jetzt abgeschlossen. Alle Geräte die im besitzt des Geheimschlüssels sind, werden synchronisiert. Wer in Schritt 2 das USB-Speichermedium richtig administriert hat, bekommt dieses nach jedem Neustart automatisch gemountet. Mit Schritt 7 und 8 startet Resilio Sync automatisch nach dem Neustart des Raspberry Pis.

Persönliche Meinung

Mit der Installation von Resilio Sync auf einem Raspberry Pi lässt sich ganz ohne Dropbox oder Google Drive eine private Cloud-Infrastruktur aufbauen, die überall auf allen Endgeräten verfügbar ist. Die kostenlose Version von BitTorrent Sync verfügt über einige Einschränkungen. Einige davon sind verschmerzbar. Während die Weboberfläche von BitTorrent Sync noch eine Einschränkung bei der Anzahl der Ordner nennt, ist von dieser Einschränkung auf der Webseite von BitTorrent Sync nichts mehr zu lesen.

Anwender, die auch Smartphones oder Tablets in die eigene Cloud integrieren und gleichzeitig große Dateien speichern möchten, für die lohnt sich die einmalige Investition in die Pro-Version für 34,99 Euro. Mit Selectiv Sync erhalten Nutzer die Option einzelne Ordner oder Dateien von der Synchronisation auszunehmen und diese nur bei Bedarf auf das Endgerät zu laden.

Euch genügt der Funktionsumfang von Resilio Sync nicht oder die Anwendung ist euch zu teuer? Dann empfehle ich folgende Anleitungen:

Beide Anwendungen sind etwas komplexer in der Einrichtung, dafür aber vollständig kostenlos und deutlich mächtiger im Funktionsumfang. Wer diese Funktionen jedoch nicht benötigt, sollte sich auch den Stress bei der Einrichtung sparen.

Noch ein abschließender Tipp: Wer den Raspberry Pi als WLAN Access Point nutzen möchte, kann diesen so einrichten, dass dieser ein eigenes WLAN aufbaut und somit die Cloud überall auch unterwegs bereit stellt.

Für alle denen das Basteln zu viel wird aber trotzdem den Cloudspeicher in den eigenen vier Wänden hosten möchten, sollten einen Blick auf den ionas-Server Home Test werfen. Auch hier kommt ein Raspberry Pi zum Einsatz. Der Vorteil ist jedoch, dass hier alles Out-of-the-Box läuft und kaum Einrichtungsaufwand durch den Nutzer entsteht.

13 Gedanken zu „Raspberry Pi: Resilio Sync installieren und einrichten

  • 26. September 2016 um 17:10
    Permalink

    Der download-Link für ResilioSync läuft auf einen 403-Fehler

    Antwort
  • Pingback: Resilio Sync: Version 2.4 ist jetzt verfügbar – random brick [DE]

  • 2. Dezember 2016 um 23:28
    Permalink

    Ich hätte 2 Punkte:
    1. Kritik: Die Datei btsync heißt jetzt rslsync
    2. Frage: wie kann ich im dir /etc ein „sudo chown root:root rslsync“ ausführen, wenn sich rslsync doch nicht in /etc, sondern in /etc/rsync befindet

    Antwort
    • 3. Dezember 2016 um 0:44
      Permalink

      Hallo Eric,

      vielen Dank für deinen Hinweis. Ich habe Punkt 1 korrigiert. Es ist mir entgangen, dass Resilio eine neue Version zur Verfügung gestellt hat.
      Was meinst du mit Punkt 2, hier kann ich auf die Schnelle nicht folgen.

      Grüße Benjamin

      Antwort
  • 15. Dezember 2016 um 11:13
    Permalink

    Evtl musst du im autostart skript auch noch die Zeile
    /etc/rsync/rslsync –webui.listen 0.0.0.0:8888
    ändern, wenn du Resilio in den Ordner rslsync anstatt rsync installiert hat.

    Antwort
  • 19. Dezember 2016 um 21:37
    Permalink

    Hallo,

    was mich ich in dem Script auskommentieren, wenn ich den Webserver nicht mehr starten lassen möchte (nachdem ich alles eingerichtet habe).

    -> Ich möchte alles einrichten, den Raspberry woanders an einem DSL-Anschluss postieren, jedoch Zugriff per SSH/GUI sowieso und auch auf den Webserver unterbinden…

    Danke!

    Antwort
    • 20. Dezember 2016 um 11:19
      Permalink

      Hallo Spelli,

      wenn du keinen Autostart haben möchtest, kannst du Schritt 7 überspringen.

      Viele Grüße
      Benjamin

      Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 11:48
    Permalink

    Hallo,

    danke,

    Mir ging es darum den Webserver zu deaktivieren. Da nicht benötigt, wenn Stand-Alone!
    Der ist glaube ich aber wohl nicht abschaltbar…

    Antwort
  • 29. Dezember 2016 um 1:28
    Permalink

    Es wird die ARMHF Version benötigt

    Antwort
  • 15. Januar 2017 um 21:09
    Permalink

    Hallo,
    wenn ich den Befehl „sudo update-rc.d rslsync defaults“ eingebe, kommen die beiden Fehlermeldungen:
    „insserv: warning: script ‚k01rslsync‘ missing LSB tags and overrides“
    und „insserv: warning: script ‚rslsync‘ missing LSB tags and overrides“.
    Außerdem startet Resilio nicht automatisch. Hilfe.

    Vielen Dank für die Anleitung!

    Antwort
  • 29. April 2017 um 15:18
    Permalink

    Die Anleitung steckt leider, wie in anderen Kommentaren bereits angemerkt, voller Fehler. Diese liegen größtenteils an der Umbenennung von btsync auf rslsync.
    Wer versucht, der Anleitung einfach Schritt für Schritt zu folgen, wird keinen Erfolg haben.

    Da muss man schon genau hinsehen und die Codezeilen entsprechend anpassen.

    Für Laien leider unbrauchbar.

    Schade!

    Antwort
  • 2. August 2017 um 0:07
    Permalink

    Die Anweisungen konnte ich recht einfach umsetzen. Aber ein Knacker scheint drin zu sein: Es wird nur eine Binärdatei unter /etc/rslsync abgelegt. Das ausführbare Programm scheint jedoch nicht seine Einstellungen behalten zu können, obwohl ich es mit sudo zum Testen startete. Das heißt, dass bei jedem Start die Einstellungen futsch sind und der gesamte Sync-Prozess von vorne startet.

    Die Datei als Daemon auszuführen bringt auch keine Abhilfe.

    Hints anybody?

    Antwort

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