Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile vs BitTorrent Sync

Schon länger beschäftige ich mich mit Alternativen zu Dropbox und Cloudspeicher bei externen Anbietern. Viele Nutzer vertrauen externen Diensten nicht vollständig, insbesondere da man nicht weiß, wo die Daten liegen. Zudem kostet extra Speicher oft viel Geld. Mit etwas Aufwand lässt sich günstig ein Server plus eigener Cloud selbst basteln. Beispielsweise mit einem Raspberry Pi und einer externen Festplatte. Damit die Synchronisation der Daten funktioniert, wird eine entsprechende Softwarelösung benötigt.

Optionen gibt es zahlreiche und dieser Beitrag hat nicht den Anspruch alle am Markt befindlichen Optionen vorzustellen. Eine erste Selektion habe ich bereits getroffen. Deshalb werden nachfolgend nur die für mich in Frage kommenden Lösungen für die „Cloud für Zuhause“ aufgelistet.

Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile vs BitTorrent Sync
Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile vs BitTorrent Sync (Bild Pexels.com).

Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile vs BitTorrent Sync

Die Hauptkriterien dabei sind

    • ein stromsparender Server auf Basis eines Raspberry Pi 3
    • kostenlose Software für die eigene Cloud
    • eine Verfügbarkeit der Cloud von Zuhause und unterwegs

Zweitrangig sind für mich schnelle Lese- und Schreibzugriffe, da die Internetverbindung der limitierende Faktor sein wird.

Der Speicher wird durch eine angeschlossene USB-Festplatte zur Verfügung gestellt. In der Kaufberatung zum Raspberry Pi 3 finden sich erste Überlegungen zur benötigten Hardware. Das ganze soll anschließend irgendwo in einem Schrank vor sich hinarbeiten. Die Wartung erfolgt per SSH sowie Weboberfläche.

Für das Konzept kommen für mich drei Softwarelösung in Frage: Owncloud, Seafile sowie BitTorrent Sync. Alle haben Ihre Stärken und Schwächen und so muss jeder Anwender für sich entscheiden, welche Software den persönlichen Ansprüche genügt.

BitTorrent Sync: Einfach einzurichtende Closed-Source Anwendung

Im Vergleich zu den anderen Softwarelösungen ist die Installation von BitTorrent Sync auf einem Raspberry Pi am einfachsten. Die Pakete können direkt installiert und eingerichtet werden. Zusätzliche Software zu BitTorrent Sync wird nicht benötigt. BitTorrent Sync speichert die Daten nicht auf einem zentralen Server sondern synchronisiert diese zwischen zwei oder mehr Geräten. Die persönliche Cloud lässt sich beispielsweise auch aus einem Tablet, Smartphone und Laptop erstellen. Wer Speicherplatz auf einzelnen Endgeräten sparen möchte, erhält in der kostenpflichtigen Pro-Version die Funktion des Selective-Sync. Hier kann der Anwender entscheiden, welche Dateien synchronisiert werden sollen und welche nicht.

BitTorrent Sync
BitTorrent Sync synchronisiert auch offline zwischen Geräten (Bild: BitTorrent Sync).

Das Teilen von Dateien ist mit der Closed-Source Anwendung sehr einfach. Jeder Ordner, der mit BitTorrent Sync synchronisiert wird, besitzt eine eindeutige Kennung. Sollen Ordner mit einem anderen BitTorrent Sync Benutzer außerhalb der eigenen Cloud geteilt werden, benötigt dieser lediglich die richtige Kennung. Diese Kennung wird im BitTorrent Sync Client eingetragen und umgehend wird eine Kopie des Ordners zu Verfügung gestellt.

BitTorrent Sync Weboberfläche
Die Weboberfläche von BitTorrent Sync (Bild: BitTorrent Sync).

Der Nachteil ist die Eigenschaft als Closed-Source Anwendung. Es gibt keine Möglichkeit BitTorrent Sync zu erweitern oder den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Die Grundfunktionen von BitTorrent Sync lassen sich kostenlos nutzen. Fortgeschrittene Funktionen sind nur in der kostenpflichtigen Pro-Version verfügbar.

BitTorrent Sync: Link

Funktionsumfang von BitTorrent Sync

      • Synchronisation von Dateien
      • Teilen von Dateien mit Freunden
      • Fortlaufende Synchronisation und Aktualisierung
      • Synchronisation einzelner Ordner anhalten
      • Links können Ablauffristen erhalten
      • Sicheres Teilen für unsichere Übermittlungsdienste (bspw. Chats)
      • Ordner-Zugriffsrecht erteilen
      • Selective Sync: Speicherplatz sparen mit Platzhalterdateien (nur Pro)
      • Änderung der Ordnerzugriffsberechtigungen (nur Pro)

 Vorteile von BitTorrent Sync

      • Sehr einfache Einrichtung auf einem Raspberry Pi
      • Unterstützt so gut wie jede Plattform
      • Kein zentraler Server
      • Stabile und schnelle Synchronisation
      • Dateien werden von Gerät zu Gerät übertragen
      • Keine Beschränkungen bei der Ordnergröße
      • Private Kommunikation von Gerät zu Gerät
      • Unbegrenzte Anzahl an Ordnern
      • SSL wird für die Datenübertragung verwendet

Nachteile von BitTorrent Sync

      • Closed-Source Anwendung
      • Kostenlose Version ist beschränkt
      • Keine Dateiversionierung um Änderungen zurückzunehmen
      • Für Privatpersonen kostet die Pro-Version einmalig 34,99 Euro
      • Für Unternehmen kostet die Pro-Version ab 34,99 Euro jährlich

Seafile: Rustikal aber gut

Das erste Mal bin ich mit Seafile beim ionas-Server Home Testbericht in Berührung gekommen. Auch hier arbeitet die private Cloud-Lösung auf einem Raspberry Pi. Seafile fokussiert fast ausschließlich auf die Synchronisation von Dateien. Macht das aber durchaus gut und wenn genau das das Anwendungsszenario ist, sollte man Seafile in die engere Auswahl nehmen.

seafile Weboberfläche
Die Weboberfläche von Seafile (Bild: Seafile Blog).

Seafile ist eine technisch durchdachte Softwarelösung zum Synchronisieren und Teilen von Dateien. Gleichzeitig stehen Funktionen zum Arbeiten im Team zur Verfügung. Der Fokus von Seafile liegt auf einer stabilen und zuverlässigen Synchronisierung von Dateien sowie erweiterten Sicherheitsfunktionen.

Weder die Weboberfläche noch die Apps von Seafile werden einen Preis für hervorragende Optik gewinnen, sind dafür aber gut nutzbar und erfüllen die gewünschte Funktionen. Seafile wird in C und Python entwickelt und läuft auf einem Raspberry Pi deutlich performanter als das unten vorgestellte Owncloud. Wie bei BitTorrent Sync gibt es für Seafile einen kostenlosen Community-Server sowie einen kostenpflichtigen Professional-Server mit erweitertem Funktionsumfang.

Seafile: Link

Funktionsumfang von Seafile

      • Synchronisation von Dateien
      • Teilen von Dateien mit Freunden
      • Dateiversionierung um Änderungen zurückzunehmen
      • Clientseitige Verschlüsselung der Dateien mit AES 256/CBC möglich
      • Weboberfläche zur Verwaltung von Dateien
      • Messenger und Wiki im Webinterface verfügbar
      • Clients zur Synchronisation für Windows, Mac OS X und Linux
      • Apps für Android und iOS zum Aufruf und Hochladen von Dateien

Vorteile von Seafile

      • Stabile Software
      • Höhere Sicherheit durch clientseitige Verschlüsselung
      • Synchronisation läuft in der Regel auch bei großen und vielen Dateien problemlos
      • Ressourcensparend durch Entwicklung in C und Python
      • Einfache und problemlose Handhabung bei Updates
      • Synchronisation von Kalender und Kontakten via CalDav und CardDav

Nachteile von Seafile

      • Installation auf dem Raspberry benötigt minimale Vorarbeit
      • Standardkonfiguration verwendet spezielle Ports, die manche Firewalls blockieren
      • Erweiterung durchPlugins schwer möglich

Owncloud: Die Feature-Queen

Owncloud ist seid mehreren Jahren in der Entwicklung und zwischenzeitlich in der Version 9.0 verfügbar. Der Funktionsumfang ist dabei erheblich angewachsen. Positiv hervorzuheben ist das sehr intuitive und gut gestaltete Webinterface sowie die verfügbaren Clients für Owncloud. Die Cloud für Zuhause wird vollständig in PHP entwickelt und lässt sich somit auch auf jedem beliebigen Webserver installieren.

Owncloud Weboberfläche
Die Weboberfläche von Owncloud (Bild: Owncloud Pressebilder).

Das verwendete Framework lässt sich durch zahlreiche Plugins erweitern. Interessierte Programmierer können somit eigene Anwendungen für Owncloud entwickeln. Einige Owncloud Funktionen machen jedoch den Eindruck, dass diese noch nicht ganz ausgereift sind. Gelegentlich stoßen Nutzer deshalb auf Fehler. Aufgrund der verwendeten Technologie zeigen Owncloud Server auf einem Raspberry Pi nur eine mäßige Performance.

Owncloud: Link

Funktionsumfang von Owncloud

      • Synchronisation von Dateien
      • Teilen von Dateien mit Freunden
      • Dateiversionierung ermöglicht das Zurücknehmen von Änderungen
      • Synchronisation von Kalender und Kontakte via CalDav und CardDav
      • Weboberfläche ermöglicht das Verwalten von Dateien, Musik und Video
      • Weboberfläche ermöglicht das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten sowie die Pflege von Kalender und Kontakten
      • Clients zur Synchronisation für Windows, Mac OS X und Linux
      • Apps für Android und iOS mit ausgebautem Funktionsumfang
      • Verknüpfung mit Dropbox, SWIFT, FTPs, Google Docs, S3, externe WebDAV usw. möglich
      • Erweiterbar durch Plugins
      • Installation auf fast jedem Webspace möglich

Vorteile von Owncloud

      • Webinterface mit großem Funktionsumfang
      • Sehr gut entwickelte Apps für mobile Endgeräte
      • Synchronisation von Kalender und Kontakten möglich
      • Leicht erweiterbar durch Plugins
      • Entwicklung von eigenen Plugins möglich
      • Verwendete Ports werden von Firewalls in der Regel erlaubt

Nachteile von Owncloud

      • Installation setzt einen Webserver auf dem Raspberry Pi voraus
      • Performance auf dem Raspberry Pi wegen PHP nur mäßig
      • Verschlüsselung von Dateien nur auf Serverseite möglich
      • Owncloud hat den Ruf, dass bei vielen oder großen Dateien gelegentlich die Synchronisation fehlerbehaftet ist
      • Einrichtung von Kalendern und Kontakten auf Clients nicht intuitiv
      • Manche Funktionen haben kleine Fehler, die von Version zu Version gefixt werden
      • Veröffentlichung von fehlerhaften Updates ist schon vorgekommen

Persönliche Meinung

Wie bei den Cloud-Diensten externer Anbieter gibt es auch bei der Cloud für Zuhause nicht die eine Lösung, die alles kann. Wer das persönliche Nutzungsszenario kennt, findet bei den oben vorgestellten Softwarelösungen eine brauchbare Option.

BitTorrent Sync lässt sich leicht einrichten und erledigt die Synchronisation von Dateien zuverlässig. Dafür ist eine Erweiterung durch Plugins nicht möglich und einige Funktionen sind nur in der kostenpflichtigen Pro-Version enthalten. Seafile ist kostenlos, performant und erledigt die gewünschte Arbeit zuverlässig. Auch hier ist einer Erweiterung mit Plugins nur schwer möglich. Owncloud kann fast alles, dafür ist die Installation nicht ganz einfach und die Leistung auf einem Raspberry Pi eingeschränkt.

Nutzt ihr eine selbst gehostete Cloud und wenn ja welche? Spielt ihr mit dem Gedanken, eure Daten aus der Cloud eines Dienstleisters wie Dropbox oder Google Drive in die eigenen vier Wände zu holen? Schreibt mir in den Kommentaren.

6 Gedanken zu „Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile vs BitTorrent Sync

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