Ist die Verwendung von Adblocker unmoralisch?

Über sogenannte Adblocker, die Werbung auf Webseiten für den Benutzer ausblenden, wird seit Jahren heiß diskutiert. Während kritische Stimmen in der Regel von den Betreibern von Webseiten selbst kommt, sehen die Anbieter der Browser-Plugin sich im Recht. Wie sieht es für den Benutzer von Adblocker aus? Ist der Einsatz verwerflich?

Nachrichtenseiten, Blog sowie andere Webseiten die nicht direkt etwas verkaufen, stellen ihre Inhalte oder Dienstleistungen den Nutzern kostenlos zur Verfügung. Dabei entsteht Aufwand und Kosten für das Erstellen und Bereithalten des Contents oder Service. Neben der reinen Arbeitsleistung für das Erstellen von Inhalten oder Dienstleistungen entstehen auch Kosten für Server oder externe Mitarbeiter, die bei der Webseite mithelfen, beispielsweise für das Erstellen eines Banners oder einfügen von zusätzlichem Programmcode.

RandomBrick.de ohne Adblocker (Bild: Copyright Benjamin Blessing).
RandomBrick.de ohne Adblocker (Bild: Copyright Benjamin Blessing).

Ist die Verwendung von Adblocker unmoralisch?

Dabei arbeitet keiner gerne ohne Gegenleistung. Viele Webseiten, so auch RandomBrick.de, sind ein Hobby und haben keine direkte Gewinnerziehlungsabsicht. Zeitaufwand der für die Webseite entsteht, macht schließlich das Hobby aus, da es die meiste Zeit Spaß macht. Kosten die dadurch entstehen, werden gerne aus eigener Tasche bezahlt, jedes Hobby kostet irgendwie Geld. Je größer die Webseite, das heißt auch je mehr Besucher die Seite hat, desto höher werden auch die Betriebskosten.

Große Nachrichtenportale sind jedoch keine Hobbies mehr und und benötigen Einkünfte um Server- und Personalkosten bezahlen zu können. Da die Nachrichten den Lesern oft kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sind solche Webseiten auf Werbung angewiesen. Gerade in dieser Branche hat sich ein vernünftiges Modell zur Generierung von Einkünften außer Werbung noch nicht richtig durchgesetzt. Und genau diese Webseiten leiden erheblich unter dem Einsatz von Adblocker. Je nach Quelle und Statistik der man glauben mag, geht es hier um Einnahmeausfälle von 25 bis 50 Prozent. Das ist viel Geld.

Wieso benutzen User Adblocker?

Das ist eine berechtige Frage und lässt sich anhand eines aktuellen Beispiels schnell darlegen. Es ist in der Regel nicht so, dass Besucher einer Webseite ein Problem mit Werbung haben. Es geht bei der Werbung viel mehr um die Art. Je penetranter die Werbung, desto eher fällt sie dem Besucher auf, aber umso stärker lenkt die Werbung vom eigentlichen Inhalt der Seite ab. Dazu aus aktuellem Anlass Werbung die am 19.05. auf Handelsblatt.com zu sehen war.

Grell, pink und blinkend-animiert umgibt die Werbung von pwc die Handelsblatt-Seite. Der Banner in der Mitte – zwischen Navigation und erstem Beitrag – ist ein sich selbst abspielendes Video. Immerhin auf lautlos gestellt. Die ganze Werbung wurde mit Flash realisiert. Eine solch prominente Platzierung wird sich das Handelsblatt gut bezahlen lassen.

Die Farbe und Größe der Werbung stört dabei nicht sonderlich, abgesehen davon, dass die Werbung blinkt und ein Video läuft. Viel mehr stört der Ressourcenbedarf. Ein Flashvideo das automatisch startet kostet Rechenpower. Selbst auf meinem leistungsstarken Lenovo ThinkPad T450s geht erst einmal der Lüfter an und säuselt dann vor sich hin wenn Handelsblatt.com aufgerufen wird und offen bleibt. Jetzt stellt man sich das ganze auf einem etwas in die Tage gekommenen PC vor. Die Webseite vom Handelsblatt wird unbrauchbar und vom Benutzer geschlossen.

Das ist Quatsch und nervt. Hinzukommt, dass unterwegs Webseiten mit Werbung, wie hier im Beispiel gezeigt, den mobilen Datenverbrauch erhöhen und den Laptop schneller in die Knie zwingen. Und genau dann wird der Adblocker eingeschaltet.

Das Handelsblatt mit Werbung (Bild: Screenshot Handelsblatt.com).
Das Handelsblatt mit Werbung (Bild: Screenshot Handelsblatt.com).

So schön kann das Handelsblatt ohne Werbung aussehen. Dabei geht es nicht um die Darstellung der Webseite ganz ohne Werbung sonder vielmehr um die Benutzerfreundlichkeit der Webseite. Werbung wie die von pwc stört in diesem Fall die Benutzerfreundlichkeit, da der Computer mehr Strom und mehr Daten verbraucht und insgesamt langsamer wird.

Das Handelsblatt ohne Werbung (Bild: Screenshot Handelsblatt.com).
Das Handelsblatt ohne Werbung (Bild: Screenshot Handelsblatt.com).

Die großen Verlage dürfen sich deshalb nicht beschweren, wenn die Besucher weiterhin an Adblocker festhalten. Denn ohne diese sind sehr viele Webseiten weiterhin nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Wie soll der Einsatz von Adblocker gehandhabt werden?

Das ist jetzt keine generelle Handlungsempfehlung sondern ein Tipp, wie ich Adblocker verwende. Generell ist der Adblocker bei mir an. Gefällt mir eine Webseite und besuche ich diese öfters wird der Adblocker testweise für diese Seite deaktiviert. Ist die geschaltete Werbung nicht zu aufdringlich und penetrant wie im obigen Beispiel, kann ich mit Werbung auf Webseiten leben und nutze auch entsprechende Einblendungen und klicke auf Werbung.

Welche Adblocker sind gut?

Nun es gibt auf jeden Fall einen Adblocker, von dem ich abraten möchte. Adblock plus von der eyeo GmbH verfolgt ein durchaus perfides Geschäftsmodell. Gegen Bezahlung können sich Webseiten den Zugang zu den Adblock Plus Nutzern erkaufen. Die eyeo GmbH möchte an den Werbeeinnahmen partizipieren oder blendet diese ganz für die Besucher der nicht zahlenden Webseiten aus. Eine schöne Situation ist das nicht, aber die großen Verlage und Webseiten haben sich selbst dorthin gebracht und, wie die aktuelle Seite von handelsblatt.com zeigt, auch bis heute nichts dazu gelernt. Die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Werbeeinnahmen. Denn bleiben die Besucher aus, sinken die Einnahmen der Webseite so oder so.

Persönliche Meinung

Ja ich nutze einen Adblocker obwohl auf RandomBrick.de selbst Werbung über Google Adsense und Amazon geschaltet ist. Wird diese von Besuchern ausgeblendet kann ich das verstehen, denn ich surfe ebenfalls mit Adblocker. Ich kann schlecht etwas verteufeln, dass ich selbst mache. Webseitenbetreiber müssen sich genau überlegen, was für Werbung sie ihren Benutzern antun wollen, denn nicht jeder Werbe-Euro hilft der Seite langfristig, wenn kurzfristig die Kunden entnervt die Seite verlassen.

Weitere persönliche Kommentare zur Technikwelt finden sich ebenfalls in diesem Blog. In dem ausführlichen Beitrag Schmerzen im Handgelenk als Blogger: Was hilft? wird erörtert, was bei einer Sehnenscheidenentzündung gemacht werden kann sowie persönliche Tipps gegeben, die mir im Umgang mit den Problemen geholfen haben.

Auch aus persönlicher Erfahrung heraus ist der Artikel zu Eignen sich LTE DSL Verträge für Zuhause? entstanden. Im Beitrag wird darauf eingegangen, inwiefern sich die DSL-Verträge für Zuhause wirklich als solche Qualifizieren und mit welchen Einschränkungen der Nutzer zu rechnen hat. Nicht alles was als Flat bezeichnet wird, ist ein wirkliche Flat für den Kunde.

Ebenfalls spannend dürfte der Beitrag zu Morgengold: Dem Brötchen Lieferservice sein. Zwischenzeitlich kann man sich nicht nur das Abendessen, sondern auch Brot und Brötchen zum Frühstück frisch und bequem nach Hause liefern lassen. Der Beitrag erklärt, wie der Service funktioniert und was die Lieferung kostet.