Testbericht Gramofon – Die Spotify Streaming Box (Update)

Seit einem halben Jahr sorgt das Gramofon für drahtlose Musik im Wohnzimmer. Die 8 x 8 x 4,2 cm kleine Box steht unscheinbar neben dem Fernseher und ist über einen 3,5 mm Klinkenstecker mit dem EDIFIER S530D 2.1 Lautsprechersystem verbunden. Gesteuert wird die Musik über die Spotify App für Android und iOS. Zudem kann die kleine Box auch als WLAN Repeater verwendet werden, um das bestehende Signal zu erweitern.

Update 28.02.2015: Der Beitrag stammt ursprünglich vom 03.09.2014, wurde jedoch um die Langzeiterfahrung mit dem Gramofon erweitert.

Finanziert wurde das Gramofon über Kickstarter und ist seit Oktober 2014 im Handel erhältlich. In meinem Fall wurde das Gramofon über Kickstarter erworben. Produkte über Kickstarter zu kaufen ist nicht vergleichbar mit dem klassischen Online-Shopping, sondern mehr als ein Investment in ein Produkt zu sehen. Als Investor muss mit allem gerechnet werden. Von der Lieferverzögerung über leicht fehlerhafte Beta-Software bis zum Totalverlust des Einsatzes kann alles eintreten. Hinter dem Gramofon steht die Fon Wireless Ltd, die WLAN Router vertreibt und somit keine blutigen Anfänger. Aus meiner Sicht machte dieser Umstand die Investition etwas sicherer.

Gramofon

Das Gramofon wurde mit wenigen Wochen Verzögerung ausgeliefert, ansonsten war das Kickstarter-Projekt aus erfolgreich und reibungslos. Doch was taugt die kleine Streaming-Box?

Technische Daten:

  • 8 x 8 x 4,2 cm
  • WLAN 802.11b/g/n – Qualcomm Atheros AR9341
  • Gramofon App zur Nutzung von WahWah, ein kostenloser Radio Streaming Dienst
  • Spotify Premium kann 30 Tage lang kostenlos genutzt werden
  • AccessPoint / WLAN Hotspot – Bridge Mode wird unterstützt
  • Lieferumfang: 5V/1A Ladegerät, 3,5 mm Klinke auf Cinch-Adapter
  • Audio Ausgang: 3,5 mm Stereo
  • Apps: Android, iOS
  • Geplant: Windows Phone und Desktop Apps, weitere Streaming-Dienste
  • Weitere Bilder gibt es im Gramofon Unboxing Beitrag

Das Gramofon ist klein, leicht und lässt sich sehr gut in der Nähe einer HiFi-Anlage oder Aktivboxen unterbringen. Optisch muss sich die kleine Box jedenfalls nicht verstecken, auch wenn das Gramofon mit seinem halb mattschwarzen und halb klavierlackschwarzen Design stark an die Playstation 4 erinnert. Der LED-Ring auf der Oberseite leuchtet kräftig aber nicht störend. Für das Schlafzimmer aber möglicherweise zu hell. Der LED-Ring ist gleichzeitig die einzige Taste des Gramofons. Durch Drücken kann die Wiedergabe der Musik manuell gestoppt und wieder gestartet werden. Ein Anschluss via optischem Kabel steht nicht zur Verfügung. Ansonsten liegt dem Gramofon reichlich Zubehör bei. Ethernetkabel, Chinch auf 3,5 mm Klinkekabel, Netzteil sowie ein EU-UK Adapter. Alles um die Streaming-Box sofort anzuschließen.

Gramofon einrichten

Die Hardware ist schnell eingerichtet. Stromstecker anschließen sowie 3,5 mm Klinkenstecker mit der Stereoanlage verbinden. Optional kann das Gramofon via Ethernetkabel an einen Router angeschlossen werden. Die Bedienung ist nicht immer intuitiv. Das ist zum einen dem puristischen Design geschuldet ist. Lediglich der LED-Ring auf der Oberseite gibt einen Hinweis über den Status der Box. Zum anderen wird zum Einrichten die Fon Utility App benötigt, über die das Gramofon vom Smartphone aus eingerichtet werden kann. Die Apps sind in den jeweiligen App-Stores kostenlos erhältlich. Für Windows Phone gibt es derzeit noch keine App.

Fon Utility App
Entwickler: Fon Wireless
Preis: Kostenlos
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
Fon Utility App
Entwickler: Fon Wireless Ltd.
Preis: Kostenlos
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot
  • Fon Utility App Screenshot

Während im September 2014 die Apps teilweise noch sehr unsauber ihren Dienst tätigten, gibt es zwischenzeitlich keinen Grund mehr zur Klage. Das Gramofon lässt sich innerhalb weniger Minuten einrichten und in Betrieb nehmen. Alternativ kann die Box auch über eine Weboberfläche im Browser konfiguriert werden. Dazu muss das Gramofon über seine IP angewählt werden.

Schritt 1: Ans Stromnetz anschließen

Sobald das Gramofon mit Strom versorgt wird, startet es automatisch. Sobald die Box hochgefahren ist, wird ein eigenes WLAN erstellt.

Schritt 2: Ins WLAN einloggen

Für die erstmalige Konfiguration muss das Smartphone oder Computer in das vom Gramofon erstellte WLAN einloggen. Auf dem Smartphone übernimmt die Fon Utility App in der Regel die Verbindung. Am Computer erfolgt diese manuell. Alle nötigen Zugangsdaten stehen auf der Unterseite des Gramofons.

Schritt 3: Fon Utility App

Die Fon Utility App ist zwischenzeitlich sehr intuitiv und verlangt nur wenige Eingaben. Alternativ steht ein Weboberfläche für den Browser zum Einrichten zur Verfügung.

Gramofon einrichten mit der Fon Utility App (Bild: Screenshot Fon Utility App).
Gramofon einrichten mit der Fon Utility App (Bild: Screenshot Fon Utility App).

Schritt 4: Gramofon Einstellungen

Dem Gramofon kann ein individueller Name gegeben werden. Hilfreich, wenn mehr als ein Gramofon im Haushalt ist oder Gramofons mit dem selben Smartphone in anderen Haushalten verwendet werden. Zudem kann seit einigen Wochen auch der LED-Ring des Gramofons deaktiviert werden.

Die Fon Utility App wurde seit dem Launch mit weiteren Optionen und Updates versorgt (Bild: Screenshot Fon Utility App).
Die Fon Utility App wurde seit dem Launch mit weiteren Optionen und Updates versorgt (Bild: Screenshot Fon Utility App).

Schritt 5: Gramofon Netzwerk Einstellungen

Das Passwort zum heimischen WLAN eintragen, damit das Gramofon ins Internet kann. Alternativ kann das Gramofon auch wie Ethernet-Kabel verbunden werden und so als WLAN-Repeater funktionieren. Die Option WLAN klonen erlaubt, dass das Gramofon die gleiche SSID wie der heimische WLAN Router verwendet. Da das Smartphone im gleichen Netzwerk wie das Gramofon sein muss, erlaubt diese Option das störungsfreie Nutzen des WLANs ohne zwischen zwei Netzwerken wechseln zu müssen. Anfänglich gab es Probleme beim Klonen des WLANs, zwischenzeitlich sind diese Probleme beseitig worden und die Option funktioniert tadellos.

Das Gramofon kann wahlweise per WLAN oder Kabel mit dem heimischen Netzwerk verbunden werden (Bild: Screenshot Fon Utility App).
Das Gramofon kann wahlweise per WLAN oder Kabel mit dem heimischen Netzwerk verbunden werden (Bild: Screenshot Fon Utility App).

Schritt 6: Fertig!

Jetzt ist das Gramofon fertig eingerichtet. Das Gramofon besitzt keinen Ein-/Aus-Schalter. Wird es nicht benötigt, kann es einfach vom Strom genommen werden. Das sollte jedoch NICHT getan werden, wenn der LED-Ring gelb leuchtet. Dann installiert das Gramofon Updates und ein Unterbrechen könnte das Gerät beschädigen.

Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten über die Fon Utility App (Bild: Screenshot Fon Utility App).
Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten über die Fon Utility App (Bild: Screenshot Fon Utility App).

Tipp 1: WLAN nicht klonen

Garde in Wohngemeinschaften kann mit dem Gramofon ein eigenes WLAN aufgespannt werden mit eigener SSID und Passwort. Dadurch kann vermieden werden, dass Mitbewohner mit Spotify Account die Musik-Herrschaft übernehmen. Durch das erstellen eines separaten Netzwerks, ist der Benutzer vom heimischen Netzwerk technisch getrennt, kann aber weiterhin ins Internet.

Tipp 2: Gramofon Informationen

Alle notwendigen Informationen zum WLAN (SSID und Passwort) stehen auf der Unterseite des Gramofons.

Tipp 3: Gramofon Neustart & Reset

Über die Weboberfläche lässt sich das Gramofon neustarten oder zurücksetzen.

Gramofon

Musik Streaming über Spotify

Wichtig: Ohne Spotify Premium steht auch kein Spotify Connect zur Verfügung. Wer nicht bereit ist für Spotify zu zahlen, fängt zur Zeit wenig mit dem Gramofon an. Das ist nicht die Schuld des Herstellers sondern von Spotify so gewollt.

Über die Spotify App auf dem Smartphone wird das gewünschte Lied ausgewählt und gestartet. Das Lied wird erst auf dem Smartphone wiedergegeben. Damit die App weiß, dass die Musik über das Gramofon laufen soll, muss auf die minimierte Titel-Information am unteren Rand der Spotify App getippt werden. Im Titel-Vollbildmodus erscheint ein grauer kleiner Lautsprecher unten rechts. Über diesen kann das gewünschte Abspielgerät gewählt werden. Sobald das Gramofon ausgewählt wurde, läuft die Musik über die Stereoanlage und das Lautsprechersymbol wird grün. Ab jetzt übernimmt das Gramofon das Streaming. Die Spotify App dient nur noch zur Steuerung der Titelauswahl oder Lautstärke. Bricht die Verbindung zum Smartphone ab, wird die ausgewählte Playlist über das Gramofon weiter abgespielt. Keine Reichweitenbegrenzung wie bei Bluetooth. Verbindet sich das Handy nach einem Abbruch wieder mit dem Gramofon, kann die Steuerung wieder übernommen werden. Leuchtet der LED-Ring des Gramofons grün, steht es bereit und wartet auf Musik. Leuchtet der Ring hellblau, läuft die Musikwiedergabe.

Gramofon

Die Musikwiedergabe erfolgt sehr sauber und klar. Das EDIFIER S530D Lautsprechersystem verfügt über einen ausgewogenen Klang und die Streamingqualität macht einen hochwertigen Eindruck. Klanglich besteht für mich kein Grund zur Kritik. In der Spotify App stehen die Einstellungen auf “Extreme Quality” für Streaming. Jedoch ist mir unbekannt, inwiefern das Einfluss auf Spotify Connect hat. Meine App Settings stehen auch auf Crossfade zwischen zwei Songs, was von Spotify Connect ignoriert wird. Laut Fon hat der Hardware-Hersteller keinen Einfluss darauf.

Probleme mit dem Gramofon

Viele der anfänglich genannten Probleme wurden zwischenzeitlich behoben. Gelegentlich stoppt die Musikwiedergabe aus unerfindlichen Gründen. Diese kann dann umgehen über das Smartphone wieder gestartet werden. Auch tauchen Gramofons von Freunden nicht immer sofort in der Spotify App auf, obwohl diese früher schon mehrmals angesteuert wurden.

Die im September 2014 berichteten Probleme beim WLAN klonen oder der Fon Utility App sind zwischenzeitlich nicht mehr aufgetreten. Die Aussetzer bei der Musikwiedergabe haben sich deutlich reduziert. Zwischenzeitlich treten diese nicht einmal mehr täglich auf. Auch ein Neustart des Gramofons war schon seit einigen Monaten nicht mehr fällig.

Offiziell funktioniert die Steuerung der Musikwiedergabe nur vom Smartphone aus. Über die Spotify Beta-Version kann man Spotify Connect vom PC oder Mac aus nutzen.

Leider funktioniert die Funktion der Warteschlange über Spotify nicht wie erwünscht. Titel die über die Spotify-App in die Warteschlange gesteckt werden, werden nicht als nächstes abgespielt, sondern erst, wenn das Gramofon die Playliste vollständig beendet hat.

Leider werden vom Gramofon neben Spotify und WahWah bis jetzt keine anderen Streaming-Dienste unterstützt. Auch die Möglichkeit von Offlinemusik vom Computer auf das Gramofon zu streamen, wäre interessant.

Persönliche Meinung

Das Gramofon bietet eine App zur Nutzung des Radiodienstes WahWah an. Der Dienst ist für Gramofon Kunden für 6 Monate kostenlos, hat mich aber nicht überzeugen können. Die Kickstarter-Versionen des Gramofons hatten ursprünglich eine Unterstützung des Fon WLAN Dienstes integriert, welche zwischenzeitlich wieder entfernt wurde und somit nicht in diesem Testbericht erwähnt wird. Das Gramofon ist für 49 € inklusive Versand direkt vom Hersteller erhältlich. Ein fairer Preis, bei dem ich die kleine Streaming-Box jedem Spotify-Premium Kunde nur wärmstens empfehlen kann. Im Artikel zu 5 Dinge, die das Gramofon kann, werden weitere Tipps und Tricks zur kleinen Streaming-Box genannt.

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