Poker-Strategien für Anfänger und Fortgeschrittene

Natürlich ist Poker ein Glücksspiel. Das bedeutet nicht zuletzt: Ganz ohne Glück ist es praktisch unmöglich, beim Live- oder Onlinepoker Erfolge zu feiern. Aber Poker ist eben nicht nur ein Glücksspiel sondern viel mehr.

Wer strategisch klug vorgeht und ein begabter sowie trainierter Pokerspieler ist, braucht deshalb oft nur minimales Glück, um das Spiel für sich zu entscheiden. Einige Pokerstrategien für Anfänger und Fortgeschrittene stellt der folgende Artikel vor.

Poker-Strategien für Anfänger und Fortgeschrittene

Grundsätzlich solltest du dir sowohl für Live- als auch für Onlinepoker zwei grundverschiedene Strategien merken, wenn du mit dem Pokern beginnst: das Tight Play und das Loose Play.

Tight Play, Loose Play – Lerne den Unterschied!

Wenn du dich für Tight Play als Spielstrategie entscheidest, setzt du tatsächlich nur, wenn du ein wirklich gutes Blatt hast. Und dann spielst du eventuell auch relativ aggressiv und setzt relativ viel Geld. Dagegen spielst du beim Loose Play sehr viele Hände: gute, weniger gute und fast schon schlechte.

Experten empfehlen Anfängern, zu Beginn eher ein Tight-Play zu probieren und mit abnehmender Spielerzahl an einem Tisch zu einem Loose-Play überzugehen. Um nicht allzu berechenbar zu sein, sollte man sobald wie möglich beide Strategien kombinieren, also abwechselnd mal so und mal so spielen.

Lernen, deine Gegner einzuschätzen

Wer seine Gegner beim Pokern gut einschätzt, steigert die Chancen auf erfolgreiche Spiele. Versuche deshalb, das Verhalten deiner Mitspieler und deren Naturell möglichst gut kennenzulernen.

Im Onlinepoker funktioniert das bisweilen nur über dein Spielverhalten. Aber auch das kann dir einiges verraten. Wenn ein vorsichtiger Tight-Player eine höhere Summe setzt, ist fast sicher, dass er ein gutes Blatt hat.

Zudem gilt: Vorsichtige Spieler kannst du mit einem Bluff viel eher erschrecken als aggressive Gegner. Passe dein Spiel also auch an deine Mitspieler an. 

Am Poker Tisch musst du die Ruhe bewahren
Am Poker Tisch musst du die Ruhe bewahren (Bild: unsplash.com).

Wenn du live oder online an einem PokerCam-Tisch spielst, bekommst du deutlich mehr Informationen über deine Gegner. Natürlich kann die Mimik dir einiges verraten, aber manchmal sind es auch Hände beim Poker, die über die Körpersprache am meisten verraten.

Dafür spricht jedenfalls eine Studie der im Großraum Boston (USA) gelegenen Tufts University. Aber … bitte überschätze dich nicht. Manchmal denken Anfänger allzu schnell, sie würden das Verhalten und die Körpersprache der Mitspieler lesen können wie ein Buch. In der Regel irren sie sich. 

Mehrere Tische sind nichts für Anfänger

Beim Onlinepoker können Spieler an mehreren Tischen zugleich spielen und einige erfahrene Spieler machen genau das auch recht erfolgreich. Leider versuchen sich Anfänger ebenfalls an dieser Strategie und scheitern regelmäßig.

Anfangs gibt es so viel zu lernen, dass die Präsenz an einem einzigen Tisch dich völlig fordert und jeder weitere Tisch dich überfordert. Erst wenn du das Gefühl hast, das Spiel zumindest halbwegs zu beherrschen und strategisch spielen zu können, solltest du erwägen, an mehreren Tischen zugleich zu spielen. 

Generell gilt bei Anfängern fast immer: Weniger ist mehr (und besser)! Reduziere deshalb anfangs die während des Spiels zu verarbeitenden Informationen. Wähle beispielsweise Spiele mit relativ wenig Mitspielern. Das erleichtert dir das zuvor empfohlene Einschätzen deiner Gegner. 

Darüber hinaus solltest du anfangs am besten einer Pokervariante treu bleiben. Sieht man einmal von Basisregeln für gutes Pokern ab, unterscheiden sich beispielsweise Strategien für Texas Hold’em von denen für Seven Card Stud. Lerne also erst einmal eine Variante richtig gut kennen und nicht zwei oder drei ein bisschen. 

Berücksichtige beim Spiel deine Position

Die Position am Pokertisch spielt oft eine große Rolle, wenn es um strategische Entscheidungen geht. Grundsätzlich teilt man etwa die Positionen an einem Texas-Holdem-Tisch in die vordere, die mittlere und die hintere Position, wobei jede Position von mehreren Spielern besetzt werden kann. 

Während man auf der vorderen Position frühzeitig zum Setzen aufgefordert wird, ist man auf der hinteren erst am Ende dran. Auf hinteren Positionen kann man deshalb viel besser das Setzverhalten seiner Mitspieler beim eigenen Spiel berücksichtigen.

Wer auf einer vorderen Position sitzt, sollte sich deshalb – vor allem als Anfänger – bei einer Starthand mit mittelmäßigen Chancen eher für einen Fold (Ausstieg) aus der aktuellen Spielrunde entscheiden.

Eine Starthand mit zwei Assen solltest du natürlich fast immer auch in vorderer Position spielen. Bei einem Paar mit zwei Dreiern solltest du dir das jedoch überlegen. 

Gehe ans Limit (wenn du möchtest): Aber nie weiter!

Das ist keine Spielstrategie, um dein Spiel zu verbessern, sondern eine Strategie, damit das Spiel stets ein Spiel bleibt. Wie eingangs erwähnt, ist Poker ein Glücksspiel. Du kannst viel Geld gewinnen, aber auch als geübter Spieler eine schlechte Phase haben und einiges verlieren.

Lege deshalb fest, wie viel Geld du maximal für Poker ausgeben möchtest. Der Einsatz ist immer ohne Pokergewinne, da es sich um ein Glücksspiel handelt.

Wenn du regelmäßig Poker spielst, solltest du dir überlegen wie viel von deinem monatlichen Einkommen du „verspielen“ kannst, ohne dass es einen finanziellen Schaden auslöst. Dieses Limit kannst du ausreizen, wenn du möchtest Aber gehe niemals darüber hinaus. 

Auch innerhalb eines Spiels kann es sinnvoll sein, an ein Limit zu gehen. In einer schlechten Phase sollte man bei einer guten Starthand bisweilen All-In zu gehen, also alle verbliebenen Chips zu setzen.

Gewinnt man die Spielrunde, hat man sein Budget verdoppelt, was wie ein Befreiungsschlag wirken kann. Verliert man, verabschiedet man sich und sollte sich eine Pause gönnen.

Auch das gehört zu den Regeln einer guten Pokerstrategie: Vermeide einen „Tilt“. Gemeint ist eine durch Verluste entstandene Frustration während des Spiels, durch die man zu Leichtsinn und Fehlern neigt.  

Gewinnerwartung berechnen

Neben Psychologie hat Poker auch viel mit Statistik und Mathematik zu tun. Du kannst zum Beispiel eine Gewinnerwartung (Expected Value) berechnen, um deine Chancen bei einer bestimmten Spielkonstellation zu beurteilen. Hier verlassen wir jedoch den Bereich der Anfängerstrategien. 

Ein sehr einfaches Beispiel für das Ausrechnen einer Gewinnerwartung bietet ein Münzwurf (Kopf oder Zahl). Angenommen, du bekommst bei „Kopf“ einen Gewinn von 2,50 Euro und musst bei „Zahl“ zwei Euro zahlen.

Die Wahrscheinlichkeit für Kopf oder Zahl ist jeweils 0,5. Wie hoch ist die Gewinnerwartung? Die Formel lautet hier „(Betrag x 0,5) + (Betrag x 0,5)“ und in diesem Fall konkret: (2,50 Euro x 0,5) + (minus 2 Euro x 0,5).

Das Ergebnis ist 0,25 Euro und ist damit positiv, sodass sich ein Weiterspielen tendenziell lohnt. 

Was beim Münzwurf anwendbar ist, funktioniert auch beim Poker, ist dort jedoch deutlich komplizierter. Dennoch kann man beispielsweise beim Texas Hold’em für eine Situation vor dem Auslegen der fünften offenen Karte die Gewinnerwartungen berechnen.

Die exakte Berechnung ist im tatsächlichen Spiel zeitlich oft nicht machbar. Dennoch lohnt es sich, sich als fortgeschrittener Pokerfreund mit solchen Zahlenspielen auseinanderzusetzen, um die Güte von Spielzügen besser abschätzen zu können. 

Bei alledem gilt aber, was große Pokerspieler wie Pius Heinz stets betonen: Es kommt nicht nur auf Statistik und Mathematik an. Intuition kann ebenso wichtig sein. Und letztlich kann selbst bei hoher Wahrscheinlichkeit eines Gewinns das Unwahrscheinliche eintreffen.

Benjamin Blessing

Blogger, Consultant, Reisender. In meiner Freizeit schreibe ich auf RandomBrick.de über Themen zu Technik, Finanzen und WordPress. Von aktuellen Trends bis zu Anleitungen findet ihr hier alles im Blog.

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