Lest ihr noch Zeitung?

Mal so als Frage in die Runde geworfen: Lest ihr noch Tageszeitung? Wenn ja welche und wenn nein warum? Meine Haltung zur Tageszeitung war schon immer etwas gespalten und über die Jahre wurde ich zum Nicht-Tageszeitungsleser. Meine Top 5 Gründe, wieso Tageszeitungen nutzlos sind:

Ich bin gerne informiert. Schon zur Schulzeit habe ich morgens beim Frühstück immer einen Teil der Zeitung meines Vaters gelesen. Im jungen Alter eher den Panoramateil (wie Bildzeitung nur mit etwas mehr Niveau) und später dann immer mehr Wirtschaft und Politik. Zwischenzeitlich ist die Tageszeitung jedoch zu einem nutzlosen Produkt für mich verkommen.

Größe der Zeitung

Es gibt sicher einen Grund, wieso Tageszeitungen so groß sind und ja mir ist bewusst, dass man Papier auf eine brauchbare Größe falten kann. Trotzdem ist das alles sehr unhandlich. Stetig werden beide Hände benötigt. Liest man Zeitung beim Frühstück belegt man beinahe Platz für drei Personen am Esstisch und in den öffentlichen Verkehrsmitteln muss man beim Umblättern aufpassen, dass man seinem Nebensitzer kein blaues Auge verpasst. Liest man mit einer Hand, etwa während das Frühstücksbrot in der Anderen ruht, knickt ständig die Ecke der Zeitung ab, die man lesen möchte.

Qualitätsjournalismus

Zugegeben, keiner ist perfekt. Rechtschreibfehler kommen vor und finden sich auch hier in diesem Blog. Selbst auf n-tv.de oder Handelsblatt.com finden sich regelmäßig Fehler. Bezahle ich für ein Produkt, bin ich jedoch deutlich kritischer gegenüber Mängel. Dazu folgendes Beispiel: Das Foto der Welzheimer Zeitung ist vom 15ten August. Das ist das erste Mal, dass ich dieses Jahr eine Tageszeitung in die Hand genommen habe und sofort finden sich 2 dicke Fehler. Der W&W Artikel ist doppelt und die Überschrift zum Amazon Bericht (Autoren kritisieren Amazonen) ist entweder dämlich reißerisch oder falscher Plural. Wie auch immer, hätte ich dafür bezahlt, würde es mich ärgern, dass die Qualitätskontrolle so schlecht ist.

Zeitung

Aktualität

Irgendwann muss bei den Printmedien Redaktionsschluss sein, damit alles gedruckt und rechtzeitig zum Frühstück ausgeliefert werden kann. Das bedeutet, Ereignisse nach Redaktionsschluss entgehen dem Leser beim Frühstück. Hinzu kommt, dass in meinem Elternhaus die Zeitung sehr unzuverlässig zugestellt wurde. Gelegentlich wurden wir ganz vergessen, öfters jedoch wurde die Zeitung erst zugestellt, wenn alle das Haus bereits verlassen hatten.

Papier

Wir verschwenden viel zu viel Papier und sowieso – rettet den Regenwald. Persönlich hat mir diese Wegwerfmentalität noch nie gefallen. Schon seit Jahren stehen uns andere Möglichkeiten zur Distribution der täglichen Nachrichten zur Verfügung. Die Printmedien sind nur zu faul oder unfähig diese umzusetzen. Papierlos leben ist zwar noch eine Idee der Zukunft, aber weniger ist definitiv möglich. Vorschlag: E-Reader gibt es schon länger als Tablets und beides hätte / sollte / müsste von den Printmedien aggressiver der Kundschaft schmackhaft gemacht werden. E-Newspaper müssen um ein vielfaches günstiger sein, da für diese Kunden kein Papier, Druckermaschinen und Zeitungsausträger benötigt werden.

Anzeigenmarkt

Der regionale aber auch überregionale Anzeigenmarkt wurde lange Zeit von Tageszeitungen dominiert. Egal ob Stellenangebote, Wohnungsanzeigen oder Kleinanzeigen. Wer suchte oder verkaufen wollte, benötigte einen Zeitungsverlag. Preise wurden hier vorgegeben, Konkurrenz gab es kaum bis keine. Und dann kam das Internet, ganz plötzlich und unerwartet, und lieferte uns Anzeigenplatformen wie Mobile.de, ImmobilienScout24, eBay Kleinanzeigen oder Stepstone mit einer Vielzahl an Anzeigen die sich leicht und schnell dank Filter und Suchfunktionen durchforsten lassen und dazu meistens auch noch kostenlos und immer auf dem neuesten Stand sind.

Persönliche Meinung

Den Printmedien steht das Wasser bis zum Hals. Seit Jahren (Jahrzehnten) gehen die Auflagen zurück. Folgender Beitrag in der FAZ zur Krise der Zeitungen beleuchtet das Problem sehr selbstkritisch und ist lesenswert. Versuche wie die Schröpfung Googles (wegen Google News) ist nur ein Beweis, dass die Branche in den letzten Jahrzehnten nichts Neues auf die Beine gebracht und den Medienwandel absolut verschlafen hat. Junge Leser kommen kaum als Abonnenten hinzu und stillen ihren Wissensdursts lieber online. Nicht nur weil die Nachrichten dort kostenlos sind, sondern schneller und im gewünschten Format verfügbar (Smartphone, Tablet, Notebook). Wer seinen Lesern Barrieren vor die Nase setzt, verliert.

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für den Zeitungsverlag Waiblingen brechen. Das Ende 2013 neu eingeführte ePaper für den Browser inklusive Apps für iOS, Android und Kindle Fire ist eine gelungene Umsetzung der herkömmlichen Tageszeitung. Im Vergleich zum reinen Papier-Abonnement ist das ePaper 11,50 € günstiger pro Monat (30,50 € vs 19,99 €). Meine Eltern nutzen dieses Angebot mit Begeisterung und haben die Papierversion seitdem abbestellt. Ich habe das Angebot selbst getestet und die Nutzung auf einem iPad Air ging flüssig von der Hand, war einfach und um ein vielfaches angenehmer als das Papier-Pendant. Interessant zu wissen wäre, ob die 11,50 € den Kosten für Papier, Druck und Lieferung pro Monat / Haushalt entsprechen.

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