Wieso ich kein Auto benötige

Ich liebe Autos. Insbesondere Coupés von deutschen Automobilherstellern. Gerne auch etwas tiefer. Meinen Führerschein habe ich pünktlich zum 18. Geburtstag bestanden und bin seither leidenschaftlicher Autofahrer. Vom ersten Ersparten kaufte ich mir einen BMW. Einige Jahre später folgte dann der zweite BMW. Das war mein zweites und seitdem letztes Auto. Seit 2012 befindet sich kein Fahrzeug in meinem Haushalt. Hier die Gründe wieso ich kein Auto benötige.

Autos sind toll, Autofahren macht Spaß und hat etwas entspanntes. Autos haben etwas von Freiheit und Autos sind schön. Die meisten jedenfalls. Aber Autos sind teuer. Autos kosten viel Geld und fressen Zeit. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich mag Autos, gerne würde ich mir ein Auto kaufen, aber ich benötige einfach kein Auto. Lasst mich erklären, wieso das so ist und wieso ihr vielleicht auch kein Auto braucht.

Wieso ich kein Auto benötige

Die Entscheidung kein Auto zu besitzen, hat sich beiläufig meinem dem Umzug von Deutschland nach Manchester 2012 ergeben. Mein altes Auto wollte ich nicht mit auf die Insel nehmen, zudem wollte ich als angehender Master Student in Vollzeit mit dem Geld etwas haushalten. Also wurde mein geliebter 3er BMW verkauft. Und das Leben in England wurde ganz ohne eigenen PKW bewerkstelligt.

Autos sind bequem

Autos sind super bequem. Einsteigen und von A nach B fahren. Egal wieweit beide Punkte entfernt sind. Ich bin in einem Dorf mit 200 Einwohnern aufgewachsen und es hat mich als Kind schon fasziniert, dass unsere Nachbarin die 500 Meter zum Dorfladen mit dem Auto fuhr. Zum Einkauf in den nächst größeren Supermarkt fünf Kilometer entfernt ok, aber für 500 Meter?

Während meiner Zeit in Manchester stellte ich fest, dass sich in einer Stadt alles ohne PKW erledigen lässt. Der Weg zur Uni und zur Arbeit. Essen gehen. Ins Kino gehen. Selbst der Wocheneinkauf wurde zu Fuß oder mit einem Lieferdienst erledigt. Es gab einfach keine Notwendigkeit für ein Auto. Zudem sind die meisten Strecken mit der Straßenbahn, den Zügen und selbst Bussen dank extra Buslinien deutlich schneller zu bewerkstelligen als mit einem Auto.

Nach dem Umzug von England nach Deutschland wollte ich mit dem Kauf eines Autos warten, bis ich eine neue Arbeitsstelle gefunden hatte. Doch auch dadurch ergab sich keine Notwendigkeit für ein Auto. Ich wohne jetzt in Stuttgart und nutze wieder den öffentlichen Nachverkehr.

Zur U-Bahn Haltestelle sind es zu Fuß etwa sechs Minuten bergab. Der Weg zurück dauert 7 Minuten bergauf ;). Natürlich wäre es schön an einem regnerischen, kalten Dezember die Strecke bequem in einem warmen Auto zurücklegen zu können. Ich behaupte, meine Gesundheit profitiert von den kleinen Spaziergängen. Mein Geldbeutel auch.

Autos sind überbewertet

Ausgefallene und extravagant Autos sind toll. Sei es ein Lamborghini oder Ferrari, ein BMW M4 Coupé oder ein getunter Golf GTI. Alle sorgen dafür, dass Leute sich danach umdrehen. Diese Fahrzeuge sind schnell, laut und auffallend. Diese Autos hinterlassen den Eindruck, dass der Fahrer es geschafft hat.

Aber hat er das wirklich? Jeder kann sich heute ein Auto holen, das er sich eigentlich nicht leisten kann. Sei es ein Mietwagen für einen Tag, ein Leasingfahrzeug für drei Jahr oder einen Finanzierung von einem jungen Gebrauchtwagen. Die Geschichte zum Fahrer sieht man dem Auto von außen nicht an. Man sieht nur den Fahrer und das Auto. Millionär und Poser können an der Ampel im selben Auto nebeneinander stehen.

Teure Autos sind mehr als Hobby zu betrachten. Nicht mehr und nicht weniger. Entweder man gönnt sich den Luxus und genießt das Gefühl oder man lässt es. Ein teures Auto benötigt eigentlich niemand.

Aber es gibt ja auch ökonomische Fahrzeuge, die Menschen morgens zur Arbeit und abends nach Hause bringen. Die Kinder zum Sport und Großeltern zum Arzt fahren. Autos die einen praktischen nutzen haben. Aber muss man trotzdem ein eigenes Auto haben? Siehe dazu weiter unten den Abschnitt zu den Ausnahmen.

Autos sind teuer

Egal ob ökonomischer Kleinwagen, Fahrzeuge der oberen Mittelklasse oder Sportwagen. Autos kosten viel Geld. Das fängt bei der Anschaffung an. Auch für Gebrauchtwagen geht hier schnell ein fünfstelliger Betrag über die Ladentheke. Und das gekaufte Auto verliert extrem schnell an Wert. Mit sehr wenigen Ausnahmen sind Autos keine Geldanlage.

Nach dem Kauf muss das Fahrzeug angemeldet werden, dann wird die Steuer und Versicherung fällig. Ohne nur einen Kilometer zu fahren, sind hier je nach Auto schnell zwischen 500 bis 1.000 Euro weg. Jährlich. Und wer sein Auto fährt, muss für Sprit, TÜV, Inspektionen, Verschleißteile sowie Reparaturen bezahlen.

Der ADAC bietet einen Autokosten-Rechner an, der alle Kosten eines Fahrzeugmodells inklusive Wertverlust berücksichtigt und die Kosten pro gefahrenen Kilometer darstellt. Dabei geht der ADAC von 15.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr aus. Je nach Ausstattung kostet ein VW Polo zwischen 30,7 Cent und 39,7 Cent und eine 3er BMW Limousine zwischen 55,0 Cent und 89,0 Cent.

Im günstigsten Fall kostet der VW Polo somit 4.605 Euro und die 3er BMW Limousine 8.250 Euro pro Jahr. Eine BahnCard 100 für die 2. Klasse kostet 4.190 Euro pro Jahr. Ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr in einer Großstadt ist teilweise für unter 1.000 Euro zu bekommen. Da bleibt viel Geld übrig.

Autofahren kostet Zeit

Arbeitnehmer in Deutschland sind im Schnitt 1,5 Stunden pro Tag unterwegs. Das sind 7,5 Stunden die zur Wochenarbeitszeit hinzukommen. Wer vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, kann diese Zeit für sich nutzen. Privat oder beruflich.

Bahn fahren ist sicher
Bahn fahren zählt zu den sichersten Verkehrsmitteln in Deutschland (Bild: pixabay.com).

Basierend auf meiner eigenen subjektiven Erfahrung sind die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt das schnellere Fortbewegungsmittel. Auf dem Land bringt einen das Auto schneller von A nach B. Bei überregionalen Strecken schenken sich Autos und öffentliche Verkehrsmittel oft nichts. Es gibt Staus, Züge haben Verspätungen, das ist alles Jacke wie Hose. Erst ab Strecken jenseits der 400 Kilometer ist man mit dem Flugzeug oft besser bedient als mit Zug oder PKW.

Trotzdem bevorzuge ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Egal ob 15 Minuten mit der U-Bahn oder 4 Stunden im ICE. Diese Zeit kann ich für mich nutzen. Im Auto hinter dem Steuer kann ich nichts tun außer das Fahrzeug lenken. Im Zug habe ich Zeit für Arbeit, Filme, Lesen, Bloggen oder Schlafen. Selbst im Bus oder der U-Bahn lassen sich entspannt die Nachrichten oder ein Buch über den Kindle lesen.

Ja und manchmal dauert eine Fahrt mit den ÖPNV länger. Aber gleichzeitig darf man nicht die Zeit für das Tanken, Waschen, Werkstatt-Besuche oder die Parkplatzsuche beim Auto vergessen.

Autofahren ist gefährlich

Laut Statistisches Bundesamt ist das Auto das gefährlichste Fortbewegungsmittel. Und zwar mit Abstand. Die Anzahl der verunglückten, nicht getöteten, Personen in Deutschland je 1 Milliarde Personenkilometer spricht für sich:

  • 275,8 PKW
  • 73,9 Bus
  • 42,3 Straßenbahn
  • 2,7 Zug
  • 0,3 Flugzeug

Die Daten wurden von 2005 bis 2009 erhoben und gelten im Durchschnitt pro Jahr. 2015 sind 3.459 Personen tödlich im Straßenverkehr verunglückt. Das Auto ist somit das gefährlichste Verkehrsmittel überhaupt. Ein Risiko dem man sich nicht aussetzen sollte, wenn man nicht muss.

Ausnahmen

Alles schön und gut. Doch mehrmals im Jahr benötige ich trotzdem ein Fahrzeug. Beispielsweise weil ich nachts einfach keine Lust auf öffentliche Verkehrsmittel habe. Weil der Wocheneinkauf heute erledigt werden muss und eine online Lieferung nicht in Frage kommt. Weil ich meine Eltern auf dem Land besuchen möchte oder Weil ich im Urlaub ein Auto brauche. Hierfür greife ich auf folgende Alternativen zurück.

  • Für den Wocheneinkauf nutze ich gerne ein Car2Go. Die Fahrzeuge kosten 0,29 Cent die Minute beim Fahren und 0,19 Cent die Minute beim Parken.
  • Ich hole mir einen Mietwagen.
  • Ich rufe mir ein Taxi.
  • Ich lasse mich Abholen oder leihe mir ein Fahrzeug von Freunden. Im Gegenzug lasse ich eine Tankfüllung oder ein Essen springen.

Das ganze Jahr ohne Fahrzeug geht nicht. Aber ich kann mich arrangieren und dadurch viel Geld sparen. Gleichzeitig versuche ich das nicht auf Kosten anderer zu machen.

Persönliche Meinung

Dieser Beitrag beschreibt ausschließlich die Gründe, wieso ich aktuell keine Fahrzeug besitze. Es gibt für mich einfach keine Notwendigkeit. Mir ist bewusst, dass das nicht für jeden Haushalt zutrifft und sich auch bei mir in der Zukunft ändern kann. Für eine Familie mit drei Kindern die im ländlichen Bereich wohnt, könnte es sogar schwer mit nur einem Auto werden.

Mit leichten Abstrichen in der Bequemlichkeit lässt sich teilweise sehr viel Geld sparen. Geld, das für andere Dinge zur Verfügung steht.

Interessant dabei ist: Die Anzahl der neu erteilten Fahrerlaubnisse gehen laut Kraftfahrtbundesamt seit Jahren zurück. Die Gründe dafür können vielseitig sein, subjektiv habe ich den Eindruck, dass für die nachwachsende Generationen eine Fahrerlaubnis und die damit verbundene und empfundene Freiheit nicht den gleichen Stellenwert hat, wie bei früheren Generationen.

Wie steht ihr zu dem Thema? Auto haben oder nicht haben? Besitzt ihr ein Auto obwohl ihr eigentlich keines braucht? Gönnt ihr euch den Luxus? Schreibt mir in den Kommentaren.

Ein Gedanke zu „Wieso ich kein Auto benötige

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