SaaS: Warum Tech-Firmen sich zunehmend auf Cloud Computing verlassen

In der Software-Industrie vollzieht sich langsam aber sicher ein Wandel. Das Geschäftsmodell, dass die Branche seit ihrer Entstehung dominiert hat, hat ausgedient. Lange Zeit war es die Regel, dass Anwender eine Lizenz für die Nutzung eines Programms erwarben und dies dann auf ihrer eigenen Hardware installierten und ausführten.

Natürlich ist dieses Modell nicht völlig verschwunden und kommt beispielsweise bei Smartphone-Apps immer noch häufig zum Einsatz. Aber umfangreiche Software-Pakete, die für geschäftliche Anwender eine große finanzielle Bedeutung haben, werden immer öfter als „Software as a Service“ oder kurz SaaS angeboten.

SaaS: Warum Tech-Firmen sich zunehmend auf Cloud Computing verlassen

Dabei handelt es sich im Grunde genommen um nichts anderes als ein Abonnement-Modell. Anwender erhalten gegen Zahlung einer monatlichen Gebühr einen Nutzerzugang, mit dem sie sich oft über den Browser anmelden können.

Das eigentliche Programm wird auf der Cloud des Herstellers ausgeführt, der die völlige Kontrolle behält. Warum dieses Modell für Softwarehersteller lukrativ ist, liegt auf der Hand. Zum einen können Hersteller langfristig gesehen über Abonnementgebühren viel höhere Umsätze erzielen als über einen einmaligen Verkaufspreis.

Zum anderen können sie so ihre Verluste durch Produktpiraterie verringern. Aber wie gelingt es ihnen eigentlich, ihren Kunden diese Umstellung schmackhaft zu machen? 

Online Casinos: Ein Erfolgsbeispiel

Eine Branche, die in ihrer heutigen Form ohne Cloud Computing und SaaS überhaupt nicht denkbar wäre, ist die Online Casino-Industrie. Es ist kein Zufall, dass sie nach zögerlichen Anfängen in den 1990er Jahren zuletzt ein rasantes Wachstum hingelegt hat.

Hier steht eine kleine Anzahl renommierter Spieleentwickler einer großen Anzahl an ständig wechselnden Casino-Anbietern gegenüber. Ein Software-Hersteller wie das schwedische Unternehmen NetEnt stellt seine Spiele einem Online Casino bereit, welches diese dann in seinem Portfolio anbieten kann.

Beide Partner der Transaktion sind aufeinander angewiesen. Die Casino-Betreiber sind Inhaber einer Glücksspiellizenz und kümmern sich um die Vermarktung der Spiele. Die Software-Hersteller liefern nicht nur die Spielsoftware, sondern wickeln auch Transaktionen oder die Interaktion in Live-Casinospielen ab.

Dadurch, dass sie diese Leistungen bündeln, wird die Industrie als ganzes schlanker. Denn wenn jedes einzelne Online Casino sich um die Einbindung der Spiele auf ihrer Webseite, die Einrichtung der Zahlungsabwicklungen, die Funktionalität von Bonusprogrammen und all diese Aspekte kümmern müsste, würde jede Plattform ein kleines Heer an Programmierern benötigen.

Dadurch, dass diese Dienste früher in der Wertschöpfungskette  durchgeführt werden, sparen die Casinos unter dem Strich viel Geld ein. Für die Besucher von Online Casinos bedeutet das, dass die Plattformen in gewisser Hinsicht als Vermittler zwischen dem Endkunden und dem Software-Hersteller auftreten. Den meisten Spielern ist das gar nicht bewusst – ein Zeugnis für den reibungslosen Ablauf dieser Kooperation.

IT-Unternehmen ohne IT-Abteilung

Und so werden in Zukunft auch zahlreiche Unternehmen, die im digitalen Bereich aktiv sind, ohne eine eigene IT-Abteilung auskommen. Den einen oder anderen Mitarbeiter mit Programmierkenntnissen werden sie natürlich trotzdem einstellen. Aber ganze Räume voller Server und Stockwerke voller Computerwissenschaftler werden vielerorts bald nicht mehr zu finden sein.

Und das obwohl der Trend eigentlich gerade dahin geht, outgesourcte Funktionen in die Firma zurückzuholen. Aber für Betriebswirte dürfte diese Versuchung einfach zu groß sein. Kosteneinsparungen im zweistelligen Prozentbereich können realisiert werden, sowohl beim Personal als auch bei der Hardware.

Denn wenn ein Programm vollständig auf der Cloud ausgeführt wird, bedeutet das auch, dass die Anforderungen an die Rechenleistung von PCs deutlich geringer ausfallen. Noch mehr als die Einsparungen dürften es aber die effizienten Prozesse sein, die das Herz der heutigen Management-Absolventen höher schlagen lassen.

Früher musste neue Software möglicherweise in monatelanger Vorarbeit eingerichtet werden, damit sie reibungslos mit dem Sicherheitssystem und allen nötigen Schnittstellen funktionierte. Nachdem sie auf die PCs der Mitarbeiter aufgespielt wurde, folgten ebenso lange Bemühungen, um unerwartete Probleme zu beheben.

Mit Software as a Service entfällt das alles. Berechtigte Anwender erhalten einen Nutzerzugang, bei Problemen ist der Kundendienst zuständig. Viel eleganter kann die Einführung einer Software eigentlich nicht verlaufen.

Kollaboration in der Cloud

In großen Firmen kommt es regelmäßig vor, dass tausende von Nutzern mit denselben Datensätzen arbeiten müssen. Wehe, wenn dafür nicht die ausreichenden technischen Voraussetzungen geschaffen worden sind. „Sie können die Datei XY auf dem Firmenserver gerade nicht öffnen, weil sie soeben in Bearbeitung ist“ heißt es dann.

Oder eine Datei lässt sich zwar öffnen, braucht aber zum Laden gute zehn Minuten. Wer noch mit solchen Problemen zu kämpfen hat, wagt es gar nicht, von den Möglichkeiten einer cloud-basierten Lösung zu träumen.

Gleichzeitige Bearbeitung eines Dokumentes durch mehrere Mitarbeiter und Austausch in Echtzeit können so manches zeitraubende Meeting ersetzen. Und auch die Transparenz vieler Vorgänge kann so erhöht werden. Gerade wenn Remote-Teamarbeit gefragt ist, sind Cloud-Lösungen nicht zu schlagen.

Mehr Flexibilität

Wenn ein Unternehmen seine digitale Infrastruktur selbst betreibt, bedeutet das nicht nur einen erheblichen Aufwand für Planung und Organisation. Wenn Veränderungen notwendig sind, können schwerwiegende Belastungen entstehen.

Das Management muss sich möglicherweise mit komplizierten Detailfragen befassen, die seine Aufmerksamkeit vom Kerngeschäft ablenken. Und bis sich ein Ausbau der Hardware-Kapazität rentiert, kann viel Zeit vergehen. Was, wenn die Erneuerung der Firmen-IT endlich abgeschlossen ist und auf einmal macht ein Nachfragerückgang die geschaffenen Ressourcen überflüssig?

Oder was, wenn sich herausstellt, dass die Maßnahmen nicht weit genug gegangen sind und schon nach kurzem neue Investitionen anstehen?

Bei der Zusammenarbeit mit einem großen Cloud Anbieter fallen solche Probleme deutlich geringer aus. Eine Kosteneinsparung bei der Nutzung eines Cloud-Dienstes ist zwar nicht automatisch gegeben. In der Regel können diese aber problemlos die Serverkapazitäten bereitstellen, um einen unerwarteten Anstieg der Nachfrage aufzufangen.

Und die Auseinandersetzung mit den technischen Details liegt ganz in der Hand des Vertragspartners. SaaS kann also nicht nur dazu beitragen, die Flexibilität eines Unternehmens zu erhöhen, so dass es besser auf veränderte Marktbedingungen reagieren kann. Es lässt auch das Management ruhiger schlafen. Und das ist im B2B-Sektor bekanntlich ein hervorragendes Verkaufsargument.

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