Wie der Theranos-Skandal das Vertrauen in die Biotech-Industrie erschüttert hat

Der Fall Elizabeth Holmes und Theranos ist einer der bekanntesten Betrugsskandale in der Technologie- und Biotechnologiebranche. Die ehemalige CEO und Gründerin von Theranos versprach eine bahnbrechende Technologie, die Bluttests schnell, effektiv und schmerzlos machen sollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Technologie nicht funktionierte und Holmes und ihre Mitarbeiter falsche Versprechungen gemacht hatten, um Investoren und Kunden zu gewinnen. Der Fall hat nicht nur Investoren Millionen Dollar gekostet, sondern auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Biotech-Industrie erschüttert. In diesem Blogbeitrag betrachten wir die Rolle von Elizabeth Holmes im Theranos-Skandal.

Elizabeth Holmes‘ Vermächtnis

Jugend

Elizabeth Holmes wurde am 3. Februar 1984 in Washington geboren. Ihre Mutter, Noel Anne Daoust, arbeitete als Programmiererin für die US-Regierung, ihr Vater, Christian Holmes IV, war Vizepräsident der Enron Corporation. Elizabeth Holmes wuchs in Houston, Texas, auf und besuchte die St. John’s School, eine renommierte Privatschule.

Schon in jungen Jahren zeigte Elizabeth großes Interesse an Wissenschaft und Technologie. In einem Interview mit dem Fortune Magazine erzählte sie, dass sie als Kind von ihrer Großmutter einen Chemiebaukasten geschenkt bekam und sich sofort in die Wissenschaft verliebte. Sie interessierte sich auch früh für Computerprogrammierung und entwickelte ihre erste Computeranwendung im Alter von elf Jahren, ein Programm, das Songtexte analysierte und aufzeichnete.

In der Schule war Elizabeth eine ausgezeichnete Schülerin und wurde aufgrund ihrer akademischen Leistungen in das Davidson Institute for Talent Development aufgenommen, eine Organisation, die sich auf die Förderung hochbegabter Schüler spezialisiert hat.

Elizabeth Holmes schaffte es schon früh, an den besten Universitäten des Landes aufgenommen zu werden. Im Alter von 17 Jahren begann sie ihr Studium an der Stanford University, wo sie sich auf Chemieingenieurwesen konzentrierte.

Bessere Kreise

Sie strebte schon früh danach, zu den besseren Kreisen zu gehören, und nahm dafür viele Mühen auf sich. Schon als Teenager interessierte sie sich für die High Society und die damit verbundenen Möglichkeiten.

Um sich in diese Kreise einzufügen, bemühte sich Elizabeth um ein elegantes Erscheinungsbild und trug häufig schwarze Rollkragenpullover und dunkle Hosen, die ihr ein seriöses und zeitloses Aussehen verliehen. Außerdem trug sie eine dunkle Sonnenbrille und ließ ihr blondes Haar zu einem charakteristischen Bob schneiden.

Neben ihrem Aussehen war es Elizabeth auch wichtig, Beziehungen zu einflussreichen Personen aufzubauen. Während ihres Studiums an der Stanford University freundete sie sich mit einigen Professoren und ehemaligen Studenten an, die später zu ihren wichtigsten Unterstützern und Investoren bei der Gründung von Theranos wurden.

Elizabeths Streben nach einer besseren Position in der Gesellschaft spiegelte sich auch in ihrer Persönlichkeit wider. Sie war oft sehr ernst und introvertiert und vermied es, über persönliche Dinge zu sprechen. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre Ziele und setzte alles daran, diese zu erreichen.

Charakter

Elizabeth Holmes wurde oft als leidenschaftliche und charismatische Persönlichkeit beschrieben, die ihre Visionen mit großer Überzeugungskraft vertrat. Trotz ihres Enthusiasmus und ihrer Erfolge war Elizabeth Holmes auch umstritten. Kritiker warfen ihr vor, sich zu sehr auf ihre Vision zu konzentrieren und dabei ethische und regulatorische Bedenken zu vernachlässigen. In einem Interview mit dem New Yorker im Jahr 2014 sagte sie, dass sie »keine Geduld für Dinge hatte, die sich zwischen ihr und ihrer Vision stellten«.

Gründung und Aufstieg von Theranos

Elizabeth Holmes gründete Theranos noch während ihres Studiums an der Stanford University. Sie hatte eine Vision, die auf ihren eigenen Erfahrungen beruhte. Als sehr sensible Person hasste sie es, Bluttests durchführen zu lassen, vor allem, wenn sie dafür mehrmals gestochen werden musste. Sie wusste, dass es Millionen von Menschen gab, denen es genauso ging, und sie wollte diese Erfahrung ändern.

Elizabeth war davon überzeugt, dass sie eine Technologie entwickeln könnte, die es ermöglichen würde, Bluttests mit nur einem Tropfen Blut durchzuführen. Sie war so überzeugt von ihrer Idee, dass sie ihr Studium abbrach, um sich ganz der Entwicklung dieser Technologie zu widmen. Sie verfolgte ihr Ziel mit unerbittlicher Entschlossenheit und setzte alles daran, ihre Vision zu verwirklichen.

Nach der Gründung arbeitete Elizabeth unermüdlich an der Verbesserung und Verfeinerung der Technologie namens »Edison« und sammelte Geld von Investoren, um ihr Unternehmen zu finanzieren. Sie wurde schnell bekannt und zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen der Welt.

Theranos wuchs schnell und wurde bald mit 9 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen ging eine Partnerschaft mit Walgreens ein, einem der größten Einzelhändler für Apothekenprodukte in den USA. In dessen Filialen sollten die Bluttests durchgeführt werden. Elizabeth Holmes wurde zu einer Symbolfigur für Unternehmertum und Innovation und inspirierte viele junge Frauen, in der Technologiebranche tätig zu werden.

Elizabeth Holmes Mikroskop

Herausforderungen für Theranos

Trotz des schnellen Wachstums von Theranos kamen bald Zweifel an der Technologie des Unternehmens auf. Ein 2015 im Wall Street Journal veröffentlichter Artikel enthüllte, dass das Unternehmen seine Technologie nicht wie behauptet für alle Arten von Bluttests einsetzte.

Die Geheimhaltungspolitik von Theranos war ein weiterer Faktor, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. Das Unternehmen unterzeichnete Geheimhaltungsvereinbarungen mit seinen Kunden, was es schwierig machte, über die Technologie und die Ergebnisse der Bluttests zu sprechen. Darüber hinaus verlangte das Unternehmen auch von seinen Mitarbeitern die Unterzeichnung von Geheimhaltungsvereinbarungen.

Es stellte sich heraus, dass das Unternehmen nur einen Bruchteil der angekündigten Tests tatsächlich mit der eigenen Technologie durchführte. Stattdessen wurden die meisten Tests mit herkömmlichen Methoden durchgeführt. Dies führte zu einer Untersuchung durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) und zur strafrechtlichen Verfolgung von Elizabeth Holmes und anderen Führungskräften von Theranos.

Die Probleme von Theranos wurden schnell öffentlich und führten zu einem Kurssturz des Unternehmens. Elizabeth Holmes wurde in der Folge stark kritisiert, und es wurden Zweifel an der Integrität und Glaubwürdigkeit des Unternehmens und seiner Führungskräfte laut.

Im Jahr 2018 wurden Elizabeth Holmes und ihr ehemaliger Geschäftspartner und früherer Freund Sunny Balwani in mehreren Punkten angeklagt, darunter Betrug und Verschwörung.

Strafprozess

Elizabeth Holmes wurde im Januar 2022 in vier von elf Anklagepunkten des Betrugs an Investoren für schuldig befunden. Sie wurde jedoch in vier Fällen freigesprochen, in denen ihr vorgeworfen wurde, Patienten mit ihren Testergebnissen betrogen zu haben. Die Verkündung der Strafe wurde auf den 12. September 2022 verschoben. Am 18. November 2022 wurde sie zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und drei Monaten verurteilt, die sie jedoch erst nach dem 27. April 2023 antreten muss, damit sie ihr Kind vor Haftantritt zur Welt bringen kann. Auch gegen dieses Urteil hat Holmes Berufung eingelegt.

Vermögen

Elizabeth Holmes war einst eine der reichsten Frauen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Nach der Schließung von Theranos im Jahr 2018 und der anschließenden Anklage wegen Betrugs an Investoren und Kunden schrumpfte ihr Vermögen rapide. Laut Gerichtsdokumenten aus dem Jahr 2020 hatte sie nur noch rund 5 Millionen US-Dollar auf ihrem Bankkonto und lebte in einer gemieteten Luxusvilla.

Der Fall Elizabeth Holmes in der Popkultur

Der Fall Elizabeth Holmes und der Theranos-Skandal haben in der Popkultur einige Aufmerksamkeit erregt. Mehrere Podcasts, Dokumentarfilme und sogar ein Buch beschäftigen sich mit dem Fall.

Die Podcasts »The Dropout« und »Bad Blood« erzählen die Geschichte von Elizabeth Holmes und Theranos und sind beide sehr erfolgreich. Mit »The Dropout« wurde der Fall sogar zu einer Miniserie, in der Holmes von Amanda Seyfried gespielt wird.

2019 veröffentlichte John Carreyrou, der Journalist, der den Skandal aufgedeckt hatte, das Buch »Bad Blood: Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley – Mit einem neuen Kapitel zum Prozess gegen Elizabeth Holmes«. Das Buch wurde ein Bestseller und gab weitere Einblicke in die Geschichte und die Betrugsvorwürfe gegen Holmes und Theranos.

Außerdem soll Jennifer Lawrence die Rolle der Holmes in einem kommenden Film über Theranos spielen, der auf dem Buch von Carreyrou basiert. Regie wird Adam McKay führen.

Eine interessante Dokumentation über Elizabeth Holmes und Theranos gibt es auch bei Amazon Prime, allerdings nicht in Deutschland.

Der Fall in deutschen Podcasts

Der Fall Elizabeth Holmes hat nicht nur in den USA, sondern auch im deutschsprachigen Raum großes Interesse geweckt. Zahlreiche Podcasts beschäftigen sich mit dem Skandal um das ehemalige Biotech-Unternehmen Theranos und seine ehemalige Geschäftsführerin Holmes. Die Podcasts beleuchten nicht nur die Geschichte von Theranos, sondern auch die Persönlichkeit und Motivation von Holmes.

Den Fall kannst du in folgenden Podcasts hören
• Ganz vorn mit dabei behandelt der Podcast Hochstaplerinnen exklusiv auf Podimo neben dem Fall Anna Sorokin auch den von Elizabeth Holmes.
• Verbrechen ohne richtigen Namen Vo(r)n
• Dark Secrets – der Promi-Crime-Podcast
• Verbrechen für Weicheier – Der True Crime Podcast ohne Mord

Du interessierst dich für weitere spannende True Crime Fälle, dann schaue dir den Fall über Frédéric Bourdin, Bernie Tiede oder Love Scamming an.

Der Fall von Elizabeth Holmes und Theranos hat gezeigt, dass der Erfolgsdruck in der Technologiebranche enorme Auswirkungen auf das Verhalten von Führungskräften haben kann. Elizabeth Holmes, eine vielversprechende junge Unternehmerin, war bereit, alles zu riskieren, um ihr Ziel zu erreichen.

Der Fall hat auch die Schwächen der Aufsichts- und Regulierungssysteme aufgezeigt, die es einem Unternehmen wie Theranos ermöglichten, jahrelang ohne rechtliche Konsequenzen zu operieren. Es ist wichtig zu betonen, dass viele ähnliche Vorkommnisse existieren, bei denen der Wunsch nach Erfolg und das Streben nach Macht und Geld dazu führen, dass ethische Grenzen überschritten werden und es kein Einzelfall ist.

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